Die Ernte von morgen wird heute gezüchtet
Wie heimische Sortenforschung Landwirtschaft widerstandsfähiger macht und Versorgung langfristig absichert
11.05.2026
Wie heimische Sortenforschung Landwirtschaft widerstandsfähiger macht und Versorgung langfristig absichert
11.05.2026

Die Entwicklung einer neuen Pflanzensorte dauert rund zehn Jahre. Gleichzeitig verändern steigende Temperaturen, unregelmäßige Niederschläge und zunehmende Extremwetterereignisse bereits heute die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft. Betriebe stehen damit vor einer zentralen Herausforderung: Entscheidungen müssen unter Bedingungen getroffen werden, die erst in Zukunft Realität werden. Eine entscheidende Rolle kommt dabei der heimischen Sortenzüchtung zu.
Die Saatzucht Gleisdorf GmbH und die Saatzucht Edelhof GmbH – beide Tochterunternehmen der RWA Raiffeisen Ware Austria – arbeiten gezielt daran, Pflanzen an diese veränderten Bedingungen anzupassen. Im Mittelpunkt stehen Sorten, die auch unter Trockenstress und Hitze stabile Erträge liefern und damit Planungssicherheit schaffen. „Züchtung bedeutet, heute Lösungen auf die Herausforderungen von morgen zu entwickeln“, erklärt Florian Mayer die notwendige Logik hinter der Arbeit.
Züchtung als strategischer Hebel für stabile Erträge
Die Entwicklung leistungsfähiger Sorten ist ein langfristiger und komplexer Prozess. Neben klassischer Züchtungsarbeit kommen moderne Methoden und umfangreiche Feldversuche zum Einsatz, um Pflanzen gezielt auf ihre Leistungsfähigkeit unter unterschiedlichen Bedingungen zu testen. Besonders in der Mais- und Sojazüchtung liegt der Fokus auf Ertragsstabilität und Anpassungsfähigkeit. Sorten werden so entwickelt, dass sie auch bei unregelmäßiger Wasserversorgung oder steigenden Temperaturen zuverlässig Erträge liefern. Entscheidend ist dabei die Kombination aus wissenschaftlicher Präzision und praxisnaher Umsetzung. Die Saatzucht Edelhof setzt gezielt auf die Entwicklung robuster Getreidesorten, die auch unter schwierigen Bedingungen stabile Erträge liefern und an die sich wandelnden klimatischen Gegebenheiten Mitteleuropas angepasst sind.
Diversifizierung stärkt die Resilienz der Betriebe
Neben den Hauptkulturen gewinnt auch die Erweiterung der Fruchtfolge an Bedeutung. Alternativkulturen wie Ackerbohne leisten einen Beitrag zur Risikostreuung und verbessern gleichzeitig die Bodenfruchtbarkeit. Sie sind Teil eines Systems, das darauf ausgelegt ist, Produktionsrisiken zu reduzieren und Betriebe widerstandsfähiger zu machen. Die Züchtung dieser Kulturen ist besonders anspruchsvoll und erfordert spezifisches Know-how. Gerade hier zeigt sich die Bedeutung spezialisierter Einrichtungen wie der Saatzucht Gleisdorf, die kontinuierlich an der Weiterentwicklung solcher Kulturen arbeitet.
Heimische Sortenforschung stärkt Versorgungssicherheit
Die Bedeutung der Sortenzüchtung geht weit über einzelne Kulturen hinaus. Sie ist ein zentraler Baustein für die Versorgungssicherheit und die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft. Angepasste Sorten ermöglichen stabile Erträge, reduzieren Risiken und tragen dazu bei, Produktionssysteme langfristig abzusichern.
Gleichzeitig stärkt heimische Forschung die Unabhängigkeit. Wer Sorten unter lokalen Bedingungen entwickelt, schafft Lösungen, die exakt auf die Anforderungen der heimischen Landwirtschaft abgestimmt sind. Damit wird Sortenzüchtung zu einem strategischen Faktor für die Zukunft der landwirtschaftlichen Produktion in Österreich.
Neue Züchtungstechnologien
Jakob Moser, Geschäftsführer der Saatzucht Gleisdorf GmbH und der Saatzucht Edelhof GmbH ordnet neueste Technologien in der Züchtung ein: „Als mittelständische österreichische Traditionsunternehmen sähen wir beispielsweise in CRISPR/Cas eine historische Chance, unsere heimische Landwirtschaft klimafit zu machen und die Sortenvielfalt zu bewahren. Die präzise Genschere erlaubt es uns, bestehende regionale Kulturen schneller an Hitze und neue Schädlinge anzupassen, ohne dabei die bewährte Qualität und Identität unseres Saatguts zu verlieren. Diese Technologie ist für uns kein Widerspruch zur Natur, sondern ein notwendiges Werkzeug, um die Versorgungssicherheit in Österreich unabhängig von globalen Großkonzernen und extremen Wetterlagen nachhaltig zu sichern.“